Dein kompetentes Kind: Buchtipp

Es gibt ja Bücher bzw. Autoren, die gehören zu den Klassikern in einem bestimmten Themenbereich. So ein Buch werde ich euch heute vorstellen. Es handelt sich um „Dein kompetentes Kind“ von Jesper Juul, der auch einige andere Bücher zum Thema Familie bzw. Erziehung veröffentlicht hat.

Dein kompetentes Kind

Einleitung:

Jesper Juul war unter Anderem Lehrer und Familientherapeut und war viele Jahre als Heimerzieher und Sozialarbeiter tätig. Er vertrat die Auffassung, dass Kinder schon von Geburt an vollwertige Menschen mit einer eigenständigen, individuellen Persönlichkeit sind.

Seine Leser regt er dazu an, traditionelle Erziehungsprinzipen (der Erwachsene bestimmt und entscheidet, das Kind muss folgen) zu hinterfragen. Er gibt damit Impulse, für die Erziehung neue Werte zu finden, nach denen Eltern streben und an denen sie sich orientieren können.

Inhalt:

“Dein kompetentes Kind” umfasst 7 größere Kapitel zu den Themen Familienwerte, Kooperation, Selbstgefühl, Macht und Grenzen auf 283 Seiten.

Der Autor spricht die Idee der Gleichwürdigkeit an: Kinder sind wertvolle Menschen in unserer Gesellschaft und sie haben ein Recht darauf, dass ihre Bedürfnisse und Interessen von uns geachtet werden. Und das auch, wenn sie aufgrund ihres Entwicklungsstandes anders denken und fühlen mögen als Erwachsene.

Das Thema Gleichwürdigkeit ist dabei nicht nur für die Eltern-Kind-Interaktion interessant, sondern auch für die Beziehung zwischen den Eltern: Stehen beide Partner auf der gleichen Ebene oder wird einer von beiden als nicht gleichwertig gesehen?

Kooperation

Der Autor zeigt auch auf, dass Kinder überaus kooperative Wesen sind. Das wird aber oft nicht wahrgenommen oder von den Eltern für selbstverständlich (im Sinne von Gehorsam) gehalten.

Besonders spannend war seine Beobachtung, dass Kinder so kooperationsbereit sind, dass sie das Verhalten von den Erwachsenen entweder direkt oder spiegelverkehrt (und zum Teil auf sich selbst gerichtet) nachahmen: So wird ein Kind, das häufig kritisiert wird, entweder kritisch oder selbstkritisch.

Ein Kind, das Gewalt erfährt, wird gewalttätig oder selbstdestruktiv (durch Drogen, Alkohol, selbstverletzendes Verhalten, emotionalem Rückzug, etc.). Kinder, die in schweigsamen Familien aufwachsen, werden entweder schweigsam oder besonders redselig.

Diese Beispiele lassen sich noch beliebig fortsetzen.

Selbstgefühl

Er spricht zudem den Unterschied zwischen Selbstgefühl und Selbstvertrauen an und erklärt, dass Kinder ein gesundes Selbstgefühl entwickeln, wenn sie von ihren Eltern gesehen werden. Und dass es genauso wichtig ist, dass auch die Eltern ein gesundes Selbstgefühl für sich haben.

Macht und Grenzen

Außerdem wird den Lesern veranschaulicht, wie in einer Familie Macht (auf die Kinder) ausgeübt wird und dass diese Verhaltensweisen von den Erwachsenen auch oft legitimiert werden („es ist nur zu deinem Besten!“).

Damit zusammen hängt auch die Fähigkeit, Grenzen zu setzen. Grenzen, die nicht nur für die Kinder gelten, sondern vor allem auch für einen selbst. Die Kunst liegt letztendlich auch in der Art und Weise, wie Menschen für sich und andere Grenzen setzen.

Zu viel Verantwortungsübernahme

Besonders spannend empfand ich das Thema der Verantwortungsübernahme. Der Autor beschreibt, dass es Kinder gibt, die zu viel Verantwortung übernehmen.

Entweder zu viel Verantwortung für einen Elternteil, weil dieser z.B. nicht gut genug für sich selbst sorgen kann. Oder zu viel Verantwortung für sich selbst, weil die Eltern zu sehr mit ihren eigenen Problemen beschäftigt sind.

In ein und derselben Familie kann es dann so aussehen, dass ein Kind sich zurückzieht und auch im Erwachsenenalter eher sein eigenes Ding macht. Das andere Kind ist dann das einzige, das noch übrig ist, um sich um einen Elternteil zu kümmern – und tut das dann auch.

Zusammenfassung

“Dein kompetentes Kind” ist sehr verständlich geschrieben und es werden viele Beispiele benannt. Die Unterkapitel sind teilweise recht kurz – das hat den Vorteil, dass man das Buch in vielen kleinen Häppchen lesen kann.

Schnell noch den Abschnitt zu Ende lesen oder eben doch noch ein kurzes Kapitel dranhängen, das ist alles kein Problem. Deswegen liest sich das Buch auch innerhalb weniger Tage runter, wenn man am Ball bleibt.

Fazit:

Mit dem Lesen angefangen hatte ich kurz nach der Geburt des ersten Kindes oder sogar noch in der Schwangerschaft. Die Ideen und Ansätze fand ich zu diesem Zeitpunkt sehr bereichernd und ich hatte mir ausgemalt, dass auch ich versuchen würde, anderen Werten in der Erziehung Raum zu geben. Nach der Hälfte des Buches hatte ich es aber weggelegt (wegen weniger Zeit oder weniger Interesse an dem Thema?).

Als ich es rund drei Jahre später wieder hervorgekramt hatte, war ich eine Zeitlang schon fast enttäuscht vom Buch. Ich fragte mich sogar, was ich denn damals so gut daran gefunden hatte? Die Schilderungen kamen mir auf einmal so fremd vor und ich merkte, wie ich scheinbar immer weniger mit Jesper Juuls Beschreibungen warm wurde.

Dann aber folgten Kapitel und Beispiele, die mich fast umgehauen haben: Es fühlte sich an wie Erleuchtung, ein riesiger Aha-Effekt. Und zwar nicht in Bezug auf meine Erziehungspraktiken, sondern in Bezug auf die eigenen gemachten Erziehungserfahrungen.

Gleich nebenbei gingen mir auch noch Lichter auf in Bezug auf andere Personen im Familien- und Freundeskreis. Den Rest vom Buch habe ich dann im Rekordtempo gelesen. Rückblickend sage ich, dass das Buch für die Leser Gold wert sein kann, auch wenn man zwischendurch nicht immer hundertprozentig mit dem Autor und seinen Ansichten übereinstimmt.

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