Rollenspiele bei Kindern (Gastbeitrag)

Gastbeitrag von Tatjana, Bloggerin auf www.tanjas-ratgeber.de

Rollenspiele bei Kindern

Darum sind Rollenspiele für Kinder so wichtig

Kinder begreifen die Welt um sich herum spielerisch. Sie schlüpfen in andere Rollen und erleben so wie es ist, andere Sichtweisen und Blickwinkel einzunehmen. Damit ist das kindliche Rollenspiel ein enorm wichtiges Instrument im Leben eines Kindes und im Prozess des Aufwachsens. Es erlaubt, sich auszuprobieren und herauszufinden, welche Reaktionen auf bestimmte Aktionen erfolgen könnten.

Mit Rollenspielen lassen sich spielerisch Situationen erfahren, mit denen Kinder im späteren Verlauf ihres Lebens konfrontiert werden. So können sie bereits früh soziale Kompetenzen erwerben und erweitern und sich auch in ihrer Kommunikation üben. 

Damit lernen Kinder nicht nur, sich aktiv mit ihrem Umfeld auseinanderzusetzen, sondern auch mit sich selbst. Sie lernen, wie sie auf Situationen reagieren und wie sie diese Erfahrung verarbeiten können. So schlüpfen Kinder im Rollenspiel in neue Rollen und erleben die Welt aus der Sichtweise einer anderen Person, was ihnen die Möglichkeit eröffnet, Verständnis für die Handlungen anderer zu entwickeln. 

Rollenspiel mit Puppen: Zusammenhänge lernen

Oft greifen Kleinkinder beim Rollenspiel auf Ihre Stofftiere oder Puppen zurück. Entweder agieren dabei die Spielzeuge miteinander oder sie agieren mit dem Kind, während beide eine Rolle einnehmen. Dann übernimmt beispielsweise das Kind die Rolle der Mutter oder des Vaters, während Stofftier oder Puppe die Rolle des Kindes einnimmt.

Dadurch lernen Kinder, sich mit der Erwachsenenwelt auseinanderzusetzen. Da wird die Puppe gefüttert und gewickelt, im Buggy durch die Gegend gefahren und muss abends ebenso zum Zähneputzen wie das Kind.

Das Spiel eröffnet Kindern somit die Möglichkeit, die Welt zu entdecken und Zusammenhänge zu verstehen. Sie lernen, verschiedene Rollen zu verstehen und entwickeln ein Verständnis dafür, warum und wie die Erwachsenen auf bestimmte Situationen reagieren. 

Dabei nehmen Puppen und Stofftiere ebenso verschiedene Rollen ein, wie das Kind selbst. Der Teddy wird dabei schnell zum besten Freund, dem Geheimnisse, Sorgen und Nöte anvertraut werden. Die Puppe wird zum kleinen Geschwisterchen, das liebevoll umsorgt wird.

Das Spielzeug wird zu einem Instrument, das dem Kind dabei hilft, die Welt zu begreifen. Zusammenhänge werden offenbar und wenn das Kind seine Puppe mit dem Löffel füttert, dann hat es verstanden, dass der Löffel der Nahrungsaufnahme dient.

Zu Beginn des Rollenspiels sind die Handlungen sehr einfach und es stehen nur einzelne Objekte im Mittelpunkt. Im ganz frühen Stadium besitzen Puppe oder Stofftier auch noch kein Eigenleben. Doch je älter das Kind wird und je weiter es in seiner Entwicklung fortschreitet, desto mehr Leben kommt in das Spielzeug, während das Kind ihm eine eigene „Seele“ verleiht und die Beziehung dadurch intensiver wird. 

Rollenspiel mit Puppen: Emotionen verstehen

Mit zunehmendem Alter kann das Rollenspiel mit Puppen oder Stofftieren den Entwicklungsprozess eines Kindes unterstützen und fördern. Insbesondere in Hinsicht auf das Erlernen, Ausdrücken und Reagieren auf Emotionen kann hier geübt werden. Kinder erfassen dadurch nicht nur eine Emotion, sondern lernen dabei auch, diese zu verstehen und einzuordnen. So zeigt sich hieran beispielsweise, ob ein Kind dazu in der Lage ist, Empathie zu entwickeln

Damit ist das Rollenspiel ein wichtigstes Instrument für die emotionale Kindesentwicklung. Egal, ob das Kind alleine mit seinen Spielzeug-Freunden oder später auch mit anderen Kindern spielt, hier rückt das Sozialverhalten in den Mittelpunkt der Interaktion. Eindrücke, Empfindungen und Emotionen können so den Spielgefährten gegenüber zum Ausdruck gebracht werden.

Besonders schüchterne Kinder profitieren vom Rollenspiel, denn sie trauen sich oft nicht, anderen Kindern gegenüber ihre Gefühle und Eindrücke direkt zu vermitteln. Das Annehmen einer Rolle erleichtert ihnen diese Interaktionen. Somit fördert das Rollenspiel mit Puppen oder Stofftieren nicht nur das Sozialverhalten eines Kindes im Gruppen- oder Einzelspiel, sondern kann ebenfalls dabei helfen, Hemmungen abzubauen.

Doch das Rollenspiel mit Puppen und Stofftieren bietet Kindern noch weit mehr. Sie haben dadurch nicht nur die Möglichkeit, die Welt um sich herum zu begreifen. Das Rollenspiel bietet Kindern auch die Chance, Erlebnisse zu verarbeiten. Dabei kann es sich um bereits erlebte Situationen handeln, die für sie eine positive oder auch negative Erfahrung darstellen.

Aber auch Schilderungen der Erwachsenen über ihnen noch unbekannte Situationen können aufgegriffen und verarbeitet werden. War ein Kind beispielsweise noch nie im Krankenhaus, kann es sich im Spiel diese Situation vorstellen und sich somit bereits möglichen Sorgen und Ängsten stellen

Was bringen Rollenspiele in der späteren Entwicklung?

Mit dem Entwicklungsprozess des Kindes verändert sich auch die Art des Rollenspiels. Während sich Kinder in den ersten drei Lebensjahren zumeist mit dem Nachspielen und Begreifen der Realität beschäftigen, entwickelt sich auch ihre Phantasie. Für das Rollenspiel bedeutet dies ebenfalls eine Weiterentwicklung. Die Spiele werden abwechslungsreicher, Rollen variieren und Situationen werden auch durchaus einmal auf die Spitze ge- und übertrieben. Der geschützte Raum des Spiels erlaubt es den Kindern, an Grenzen zu gehen, ohne reale Konsequenzen zu erleben. 

Im Laufe der Zeit werden Puppen und Stofftiere durch andere Figuren ersetzt. In diesem Stadium zeigt sich, dass das Kind eine neue Lebensphase betritt. Figuren von Helden aus Buch und Film lösen Puppe und Stofftier ab, das Kind ordnet diese fortan Kleinkindern und Babys zu und erkennt sich selbst in einem anderen Lebensstadium. In dieser Entwicklungsstufe blickt das Kind also bereits auf sich selbst zurück und erkennt, dass es älter und verständiger ist als Babys – die sie bisweilen selbst als anstrengend und nervend empfinden. 

Wie können Eltern das Rollenspiel ihres Kindes unterstützen?

Um das kindliche Rollenspiel zu unterstützen, können sich Eltern ganz einfach dem Spiel anschließen und so in die Welt ihres Kindes eintauchen. Eltern haben hier die einzigartige Möglichkeit, sich in die Gedankenwelt ihres Kindes zu versetzen und können es so ideal fördern und unterstützen

  • Je älter Kinder werden, desto mehr lieben sie es, sich nicht nur gedanklich in eine Rolle zu versetzen, sondern diese auch zu verkörpern. Eine Verkleidung und etwas Schminke macht ihnen den Rollentausch dabei einfacher. Sind Eltern also dabei, ihren Kleiderschrank auszusortieren, sollten sie erst einmal prüfen, ob sich unter den abgelegten Sachen Kleidungsstücke befinden, die sich zum Verkleiden eignen. Kinder begeistern sich vor allem für alten Schmuck, Hüte und Tücher oder eben nicht alltägliche Kleidung, die sie in ihr Spiel integrieren können. Auch Utensilien werden gerne im kindlichen Rollenspiel verwendet. Bevor altes Geschirr oder der abgelaufene Verbandskasten aus dem Auto entsorgt werden, lohnt es sich daher, diese dem Kind zum Spielen zur Verfügung zu stellen. 
  • Um die Entwicklung und Phantasie ihres Kindes durch Rollenspiel zu fördern, bedarf es keines teuren Kinderspielzeugs. Kinder benötigen weder eine professionelle Putzstation aus Plastik noch ein Kinderbügeleisen oder ein Kinderbügelbrett. Natürlich sind diese Spielzeuge hübsch und ansprechend gestaltet und animieren damit zum Spiel. Allerdings besitzen Kinder in der Regel eine gesunde Phantasie, die es ihnen erlaubt, einfachste Alltagsgegenstände zu zweckentfremden und für die gerade bespielte Situation zu nutzen. 
  • Nicht nur Kinder, auch Eltern dürfen in fremde Rollen schlüpfen. Statt sich also darauf zu berufen, „erwachsen“ zu sein, sollten Eltern es genießen, mit ihren Kindern fremde Länder zu bereisen, Abenteuer zu erleben oder fiese Drachen zu bekämpfen. Je mehr sich Eltern darauf einlassen, desto besser lernen sie, ihre Kinder zu verstehen. Während des Spiels sollten sie den Kindern die Regie überlassen und nicht eingreifen, sondern sich voll und ganz auf das Erlebnis einlassen. 
  • In besonderen Situationen können Eltern aber auch selbst einmal die Regie übernehmen. Stehen beispielsweise wichtige Ereignisse an, können sie ihr Kind so ideal darauf vorbereiten. 

Fazit

Das Rollenspiel ist für Kinder eine einzigartige Möglichkeit, sich in andere Rollen hineinzuversetzen und andere Blickwinkel kennenzulernen. Damit bietet das Spiel ihnen einen geschützten Raum, in dem sie Reaktionen auf bestimmte Verhaltensweisen verstehen lernen.

Auch Zusammenhänge werden für die Kinder verständlich, so zum Beispiel, dass gewisse Handlungen nicht nur Auswirkungen auf das Kind als Handelnden selbst, sondern auch auf das soziale Umfeld haben können. In dieser „Was-wäre-wenn“-Situation stehen dem Kind (imaginär) alle Möglichkeiten offen und es kann ohne reale Konsequenzen erproben, was passieren könnte.

Darüber hinaus ist das Rollenspiel eine optimale Gelegenheit für Kinder, Erlebnisse noch einmal Revue passieren zu lassen und Situationen zu verarbeiten. Für das heranwachsende Kind ist das Rollenspiel also ein wichtiges Instrument im Entwicklungsprozess.

Über die Autorin

Tatjana schreibt auf ihrem Blog rund um die Themen Familie, Gesundheit, Fashion und Beruf. Wenn dir ihr Gastbeitrag gefallen hat, dann schau doch mal auf ihrem Blog vorbei:  http://tanjas-ratgeber.de/

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